Seminar "Dem Leben Richtung geben" in verschiedenen Schulen
Dem Leben Richtung geben
Projekt von 180° - Evangelische Jugend in der Region Eisleben in Kooperation mit dem Verein Integration - Beschäftigung - Soziales e.V.
Allgemeines
Das Projekt sah 4 Durchführungen des zweitägigen Seminars "Dem Leben Richtung geben" in Schulen verschiedenen Schultyps vor. Dafür stand die Zeit von September bis Dezember zur Verfügung. Drei Durchführungen konnten abgeschlossen werden. Mit der Klasse 11/1 des Martin-Luther-Gymnasiums konnte der erste Tag durchgeführt werden. Der zweite Tag konnte aus Termingründen erst für den 30.1.09 vereinbart werden.
Vorbereitung
Pfr. Meinhold und Herr Karlander stellten das Seminarprojekt beim Elternabennd der Klasse 10 R1 und 10 R2 der Katharinenschule am 3.9.09 vor. In der 10 R1 wurde die Durchführung von den Eltern sofort befürwortet. In der 10 R2 erfolgte die Zusage nach einem Diskussionsprozess in der Klasse etwas später.
Pfr. Meinhold stellte das Seminar beim Elternabend des BVJ der Berufsbildenden Schulen Mansfelder Land in Eisleben am 16.9.09 vor. Die Entscheidung über die Durchführung traf in diesem Fall die Schulleitung.
Die Vorstellung im Elternabend des Martin-Luther-Gymnasiums gelang leider aus terminlichen Gründen nicht. Pfr. Meinhold reichte über Frau Ehnert, die für Berufberatung zuständige Lehrerin, eine Projektbeschreibung an die Klassenlehrer und bekam über sie die Zusage.
Im Vorfeld fand ein Termin mit Pfr. Meinhold und Herrn Fischer, Frau Fricke und Frau Höfing vom Verein IBS statt, um die Zusammenarbeit zu vereinbaren und Detailfragen zu klären. Pfr. Meinhold traf sich mit Frau Fricke und Frau Höfing sowie dem Volontär der evangelischen Kirchengemeinde in Eisleben Johan Karlander aus Schweden, zur Vorbesprechung der Durchführung des Seminars. Dabei wurde auch festgelegt, nicht dem 45-Minuten-Rhythmus der Schule zu folgen und dafür Getränke auf den Tischen bereitzustellen, die in der Kalkulation nicht berücksichtigt waren. Weiterhin fanden die Teilnehmenden außer dem Seminarmaterial ein Bonbon auf ihrem Platz vor, das in großen Pausen erneuert wurde. Dadurch sollte Wertschätzung vermittelt werden: Wir wissen, dass ihr euch heute anstrengen müsst.
Das Seminarmaterial wurde beschafft. Die Rechnung von xpand Deutschland musste bemängelt werden, da zwei Hefte unvollständig waren und nicht bezahlt wurden. Die Hefte standen beim ersten Seminar zur Verfügung.
Durchführung
1.Das Seminar insgesamt
Das Seminar wurde von den Schülerinnen und Schülern mehrheitlich mit Interesse aufgenommen. Die größte Konzentration wurde immer bei der Bearbeitung des Workshops Motivationstätigkeiten erreicht. Dieser Workshop und der Persönlichkeitsworkshop machen deutlich, wie verschieden die Schüler einer Klasse sind. Diese Vielfalt wurde stets herausgehoben und betont. Es schloss sich die Frage an, wie die Gesellschaft strukturiert sein sollte, wenn alle Menschen so verschieden sind. Die Antwort, dass sie Verschiedenheit zulassen und für fairen Interessenausgleich sorgen sollte, blieb stets unwidersprochen. Durch die ausgedehnte Beschäftigung mit den eigenen Besonderheiten könnte diese Schlussfolgerung also für die Schüler plausibler geworden sein. Der Seminarleiter nutzte die Gelegenheit zu einer Warnung vor jeder Ideologie, die die Verschiedenheit der Individuen einebnet oder sagt, wie jemand zu sein hat oder was für ihn gut ist.
Beim Workshop Werte war dagegen zu spüren, dass die Schülerinnen und Schüler (in diesem Alter!) relativ nah beieinander liegen. Die Werte Familienglück und Treue wurden fast durchgehend genannt, was in dieser Häufung doch überraschte. Die fünf wichtigsten Werte der Teilnehmenden wurden nacheinander vorgelesen und wurden durch diese akustische Wiederholung deutlich verstärkt.
Etwas später im Seminar war der Workshop Wünsche II zu bearbeiten, bei dem nach Wünschen im Bereich des Engagements für die Gesellschaft gefragt wurde. Folgende Fragen waren zu beantworten: Welchen Zielgruppen möchte ich in meinem Leben helfen? Und: Welchen Dienst würde ich gern in der Gesellschaft tun, wenn ich könnte? Mit viel Erklärung, hartnäckiger Ermunterung und Beispielen des Seminarleiters gelang es, die Schülerinnern und Schüler zum Nachdenken zu bewegen. Durch die Rückfragen und Diskussionen wurde mit diesem Punkt besonders viel Zeit verbracht. Die Ergebnisse waren trotzdem lückenhaft. Den Teilnehmenden könnten hoffentlich die Leerstellen in ihren Unterlagen aufgefallen sein! Die Frage war für die Jugendlichen offenbar ungewohnt oder wurde erstmals in dieser Formulierung gestellt! Dieser Workshop wird im Bericht noch im Details erwähnt. Die Seminarleitung betonte jedes Mal ausführlich, wie wichtig es ist, dass sich jeder in dieser Gesellschaft engagiert und einbringt.
2. Katharinenschule Klasse 10 R1 am 30.9./1.10.2008
Praxisrelevanz 2,4 (sinnvoll); Anregungen 2,4 (einige); Umsetzen 2,4 (59-30 %); Dozent 2,0 (gut); Gesamt 6,1 (weniger gut)
Pfr. H. Meinhold (180°), Fr. Fricke (IBS), Fr. Höfing (IBS), Fr. Riemenschneider (Katharinenschule), J. Karlander (180°)
Um die Atmosphäre vom Fachunterricht abzuheben, fand das Seminar in der Aula statt. Die meisten Schülerinnen und Schüler dieser Klasse waren bereit, sich der Herausforderung zu stellen, die das Nachdenken über viele bisher unreflektierte Fragen und das Ausfüllen vieler Tests bedeutete. Positiv wirkte sich aus, dass die Klassenlehrerin die ganze Zeit anwesend war und sich die meiste Zeit um zwei eher verschlossene junge Männer ausländischer Herkunft kümmern konnte, an die das Seminarteam wahrscheinlich so schnell nicht herangekommen wäre.
Eine wichtige Erfahrung machte das Team mit dem Workshop Wünsche I. Dort sollen die Teilnehmenden ihre Wünsche in eine Mindmap einzeichnen, wobei durch die grafische Gestaltung eine Balance der vier Lebensbereiche Arbeitsleistung, Fitness, Beziehungen und Sinn nahegelegt war. Die Mehrheit der Klasse hatte keine Idee für den Bereich Sinn (Orientierung, Glauben). Dass Sinn, Orientierung, Glauben einen Bereich des Lebens bilden, über den man nachdenken sollte, schien den meisten völlig überraschend. Der Seminarleiter sprach daraufhin von sich und bot seinen christlichen Glauben als ein Beispiel für Orientierung an. Das könnte von manchen als Missionsversuch missverstanden worden sein. In den Auswertungsbögen in dieser Klasse wurden mehrfach "zu intime Fragen" angemerkt, was sich nur auf diesen Arbeitsschritt bezeihen kann. (Siehe Detailauswertung durch Frau Fricke und Frau Höfing) Im Nachhinein muss eingeschätzt werden, dass hier ein Moderationsfehler unterlaufen ist. Die Schüler hatten sich offenbar mit Sinnfragen bisher wenig auseinandergesetzt und waren mit der Frage und dem gegebenen Beispiel überfordert.
Eine Balance der Ergebnisse für die Lebensbereiche war auf dieser Grundlage nicht zu erreichen. Die Arbeit an den Lebenszielen am Ende des Seminars war deutlich erschwert. Die Klasse erreichte sinnvolle persönliche Berufsperspektiven für die meisten Schüler. Die Lebensziele blieben eher blass und fehlten für den Lebensbereich Sinn weitgehend.
Es fiel auf, dass die Klasse an beiden Seminartagen nach 11:00 Uhr kaum noch leistungsfähig war und dass sich ab diesem Zeitpunkt die Schwierigkeiten zunahmen. Am 30.9. sollte der Workshop Wünsche II gegen 12:15 Uhr als letzter Workshop bearbeitet werden. Es gab fast keine Ergebnisse. Der Workshop wurde daraufhin als Hausaufgabe aufgegeben und der Unterricht vorzeitig beendet. Kaum einer der Schüler versuchte, den Workshop zu Hause zu bearbeiten, so dass er am zweiten Tag nachgeholt werden musste. Am 1.10. fiel die Auswertung mittels des Beurteilungsbogens in diese Zeit. Das Team war nach dem relativ guten Verlauf von den negativen Beurteilungen überrascht. Als Pflichtveranstaltung könnte eine negative Sicht von Schule insgesamt durchschlagen.
Es war die erste Durchführung des Seminars mit einer kompletten Schulklasse. Mit den genannten Abstrichen war diese Durchführung insgesamt erfolgreich. Die Schüler haben intensiv über sich selbst nachgedacht und sich auf die meisten Schritte eingelassen.
3. Berufsbildende Schulen Mansfeld-Südharz, Eisleben, Querfurter Straße, BVJ am 27./28.10.2008
Praxisrelevanz 2,6 (weniger sinnvoll); Anregungen 2,3 (einige); Umsetzen 2,4 (59-30 %); Dozent 2,2 (gut); Gesamt 6,0 (weniger gut)
Pfr. Meinhold (180°), Fr. Reiche (St. Annen), Fr. Tews (St. Annen)
Für dieses Seminar wurden zwei handwerklich orientierte Klassen von je 12 jungen Männern zusammengenommen. Es stellte sich schnell heraus, dass das nicht klug war. Die selbstgewählte Sitzordnung entsprach den Klasenverbänden. Es gab keine Durchmischung. In einer Klasse gab es mindestens einen offensichtlichen Mobbingfall. Von dieser Klasse ging von Anfang an eine sehr negative Stimmung aus. Die andere Klasse hätte gern intensiver gearbeitet. Nach einigen Stunden trauten sie sich aber auch die Interessierten nicht mehr, mündlich mitzuarbeiten. Ein Teilnehmer beurteilte die Praxisrelevanz des Seminars als weniger sinnvoll mit der wehmütigen Begründung "weil hier sowieso keiner zuhört, also daher".
Derselbe Teilnehmer hatte bei der Gesamtbeurteilung erst 4 (noch gut) angekreuzt und sich dann auf 8 (weniger gut) korrigiert. Damit hat er gut die Situation eingefangen. Der Seminarleitung gelang es nicht, mit einer wertschätzenden, einladenden Haltung für eine angenehme Seminaratmosphäre zu sorgen. Der Nutzen für die einzelnen wurde durch Störungen und Disziplinlosigkeit einiger überdeckt.
In diesem Seminar wurde nur die Berufszielplanung erarbeitet. Lebensziele zu planen, war aufgrund der Atmosphäre nicht sinnvoll.
4. Katharinenschule Klasse 10 R2 am 5. und 18.12.2008
Praxisrelevanz 2,4 (weniger sinnvoll); Anregungen 2,1 (einige); Umsetzen 2,3 (59-30 %); Dozent 1,7 (gut); Gesamt 5,4 (gut)
Pfr. Meinhold (180°), Fr. Fricke (IBS)
Aufgrund der vorherigen Erfahrungen wurden diesmal zwei Seminartage mit zwei Wochen Abstand gewählt. Die Hoffnung war, dass mehr Teilnehmende die beiden Ratgeberworkshops (Motivationstätigkeiten und Persönlichkeit) ausfüllen lassen könnten, dass die Anstrengung der vielen Fragebögen sich besser verteilen und dass durch den Wiederholungseffekt die Nachhaltigkeit gestärkt wird. Nach der durchgehend positivere Bewertung in den Auswertungsbögen hat sich das ausgezahlt.
Das Seminar fand im Klassenraum statt.
Am 5.12.08 war die Zeit durch eine Probe für die Weihnachtsfeier entgegen der Absprache und überraschend bis 11:00 Uhr begrenzt, es fehlten 2 Stunden Arbeitszeit. Die Klasse arbeitete sehr engagiert und rasch, um die Zeit einzusparen. Im Prinzip ist das gelungen. Durch die kurze Zeit an diesem Tag fiel die Ermüdungsphase am späten Vormittag am ersten Tag weg. Die Stimmung war insgesamt besser.
Ein Schüler in dieser Klasse verweigerte das Ausfüllen die Felder des Workshops Wünsche II, in denen es um das Engagement für andere oder die Gesellschaft ging, mit der Begründung: "Mir schenkt doch auch keiner etwas." Mehrere Versuche, ins Gespräch zu kommen, lehnte er mit der Begründung ab: "Ich habe meine Meinung." Daraus ist zu schließen, dass es wahrscheinlich nicht um Erfahrungen, sondern um eine (rechte) politische Einstellung gehen könnte. Das Leitungsteam machte den eigenen Standpunkt klar, übte aber keinen direkten Druck aus. Gegen Ende der Arbeitsphase schrieb dieser Teilnehmer doch noch etwas in diese Tabelle, allerdings ohne dass es jemand einsehen konnte.
5. Martin-Luther-Gymnasium Klasse 11/1 am 19.12.2008
Auswertung erst im Januar
Pfr. Meinhold (180°), J. Karlander (180°)
Im Projektzeitraum konnte nur der erste Tag des Seminars terminiert werden. Der erste Seminartag verlief in harmonischer, entspannter Atmosphäre. Die Teilnehmenden erkannten sehr viel besser, wie viel sie von diesem Seminar profitieren können. Natürlich waren sie ein Jahr älter als die Realschulklassen. Aber auch sonst war der Unterschied zwischen Sekundarschule und einen Tag später Gymnasium erstaunlich.
Die Frage nach Sinn und Orientierung führte zwar zu Rückfragen, aber unter einer Lebensphilosophie konnten sich die Schüler genug vorstellen, um eigene Ergebnisse einzutragen.
Das Blitzlicht zum Abschluss des Vormittags brachte eine sehr positives Feedback. Einige Teilnehmende sagten, sie freuten sich auf den zweiten Teil.
6. Zur Auswertung
Mehrheitlich kreuzten die Teilnehmenden an, sie würden 59-30 % der Anregungen des Seminars im Alltag umsetzen. Wenn man bedenkt, dass es sehr viele solche Anregungen gab, erscheint das als sehr optimistisch. Es gab Anregungen in ganz verschiedenen Gebieten
- zu Gesprächen mit den Eltern (familiäres Erbe, Ratgeberworkshops)
- zum Verhalten in menschlichen Beziehungen allgemein (Persönlichkeit)
- zur Berufswahl, Vorstellungsgesprächen und der Wahl von Freizeitbeschäftigungen (Motivationstätigkeiten)
- zum Engagement für bestimmte Zielgruppen oder Ziele (Interessen II)
- zum Entwickeln von eigenen Zielen und deren Erreichen (Zielfoto, Ziele, Lebensziele).
Sollten die Teilnehmenden davon auch nur 10 % in den Alltag umsetzen, würde das in ihr Leben nachhaltig und möglicherweise dauerhaft verändern.
Zum Projekt insgesamt
Insgesamt ist es gelungen, den Jugendlichen die Vielfalt und Verschiedenheit der Menschen und die Notwendigkeit von Toleranz und Demokratie plausibler zu machen. Fremdenfeindlichkeit oder Rechtsextremismus dürften an Plausibilität verloren haben.
Das Projekt versuchte, Jugendliche mit "Managerwissen" auszustatten und über sich selbst und ihr Leben ins Nachdenken zu bringen. Je näher am "Manager" die Jugendlichen waren, je besser kamen sie damit zurecht. Das Material war für die Gymnasiasten angemessen, für die Realschüler eine Herausforderung, für die konkreten Berufsschüler eine Überforderung.
Die Partner 180°, IBS, St. Annen, Katharinenschule, Berufsbildende Schulen und Martin-Luther-Gymnasium haben erstmals erfolgreich kooperiert. An der Sekundarschule und der Berufsschule war die Unterstützung durch die Multiplikatorinnen Frau Fricke und Frau Höfing bzw. durch Ehrenamtliche der St. Annengemeinde hilfreich und für das Gelingen unerlässlich.
